Die Sportnote

Die Leistungsbewertung anhand von Ziffern von 1-6 ist seit ich denken kann ein strittiger Diskussionspunkt unter Pädagogen. Der Hauptkritikpunkt ist, dass die Bewertung anhand einer Ziffer auf dem Zeugnis zu pauschal ist und nicht dazu geeignet, das erbrachte Leistungsspektrum adäquat abzubilden. Braucht sie auch nicht, sagen die anderen, es ist eben eine Gesamtdarstellung der Leistung. Dass hinter dieser Darstellung manche Dinge besser oder schlechter liefen, ist logisch.

Bei der Sportnote ist diese Diskussion noch stärker, da das Fach sehr körperorientiert ist und offensichtlich, dass manche hier klare Vorteile haben und andere wiederum von vorneherein wissen, dass sie beispielsweise im Weitsprung nie eine 2 erreichen werden. Aber darauf möchte ich nicht weiter eingehen. Ich bin pro Note, weil sie eine deutliche und übersichtliche Leistungsrückmeldung ist, die jeder versteht – das Zustandekommen muss nur fair und transparent sein. An meiner Schule gibt es sogenannte LEBs (Lernentwicklungsberichte) in den Jahrgängen 5-7 und die allermeisten – Eltern, Lehrer, Schüler – sind froh, wenn die achte Klasse erreicht ist und es endlich Rückmeldung in Form von Ziffern gibt. Und nur auf Sport bezogen macht es auch keinen Sinn: ich zum Beispiel konnte mich anstrengen wie ich wollte, hatte über viele Jahre Nachhilfe – aber eine 2 in Mathe war für mich unerreichbar.

Daher nun zum Thema: die Sportnote. In meiner eigenen Schulzeit war sie häufig die beste Note auf meinem Zeugnis. Nur in Schwimmen war ich nie besonders, da hatte ich sogar mal nur eine 3 am Ende. Im Studium wurde ich meist auch mit Ziffern bewertet. Es gab klare Leistungskriterien und anhand derer wurde bewertet. In Schwimmen hatte ich ein Glück einen Kurs der nur mit „bestanden oder nicht bestanden“ bewertet wurde.

Im Referendariat bin ich dann selbst in die Situation gekommen Noten zu vergeben und ich weiß, dass ich es sehr schwer fand (wie fast alles in dieser furchtbaren Zeit). Meine Ausbilder fuhren bewertungstechnisch eine ziemlich harte Linie, an der Schule bin ich wiederum auf Kollegen gestoßen, die mir sagten: „Das Notenspektrum im Sportunterricht geht doch nur von 1-3!“

Nun, bereits über zehn Jahre im richtigen Berufsalltag, habe ich für mich eine Linie entwickelt, mit der ich gut fahre. Dass das Notenspektrum nur von eins bis drei geht, habe ich nie angenommen, weil es anderen gegenüber einfach unfair wäre jemanden mit drei zu bewerten, obwohl er gar nicht richtig mitgemacht hat. Während es in anderen Fächern die klassische Aufteilung schriftlich und mündlich (in unterschiedlichen Gewichtungen) gibt, gibt es in Sport – ganz grob gesagt – die Aufteilung in Leistung und Aktivität/Mitarbeit. An meiner Schule ist die Gewichtung hier 50/50.

Durch diese klare Aufteilung ergeben sich für mich drei Notenfelder: Der Bereich 1-2 (Leistung), der Bereich 3-4 (Bereitschaft) und der Bereich 5-6 (Leistungsverweigerung).

Beispiele: Ich habe häufig den Fall, dass die Ausdauerleistungen von Schülern erschreckend schwach sind. Aber eins ist klar: Wenn sie sich anstrengen, schwitzen und mitmachen, dann kann es keine 5 auf dem Zeugnis werden, auch wenn die Leistung nach Tabelle eine 6 ist (eine 3 wird es dann natürlich auch nicht). Ich habe auch schon eine 6 auf dem Zeugnis vergeben: So gut wie nie mitgemacht, ständig Sportsachen nicht dabei und dann auch noch nicht beim Auf- und Abbau und sonstigem helfen wollen. Dafür gibt es dann diese Ziffer. Eine 1 oder 2 dagegen kann nicht nur durch Leistungsbereitschaft erzielt werden – dafür muss am Ende auch Leistung stehen.

Gerade in der heutigen Zeit, in der Kinder und Jugendliche massiv durch TikTok und andere Kurzvideodienste geprägt sind und ihre Aufmerksamkeitsspanne geringer wird, ist es wichtig, dass sie wissen, dass sich Ausdauer, Beharrlichkeit und Wille am Ende auszahlt. Ich sage es meinen Schülern immer wieder: Ich schaue darauf, wer wirklich an sich arbeitet, wer schwitzt oder wer eben doch nur versucht, das Anstrengende zu vermeiden.

Und so sagt die Sportnote letztendlich auch etwas aus, was für viele Betriebe bei Bewerbungen nicht unerheblich ist. Es gibt immer wieder mal den Fall, dass eine Person per Attest vom Sportunterricht freigestellt ist. Da heißt es dann, dass die Note durch eine theoretische Ersatzleistung erbracht werden muss. Das finde ich einerseits richtig, andererseits kann und darf diese Note niemals die reguläre Sportnote ersetzen. Dann muss es mindestens im Bemerkungsfeld lauten: „Die Zensur im Fach Sport wurde durch theoretische Ersatzleistungen erbracht.“

Denn – und damit beschließe ich dieses Thema:

  • Wenn sich jemand eine 2 in Sport erarbeitet hat, dann muss hinter dieser Note eine körperlich fitte Person stecken.
  • Nur weil jemand körperlich nicht fit ist, heißt es noch lange nicht, dass eine drei nicht erreichbar wäre. Einsatz und Bereitschaft ist die halbe Miete.
  • Die 5 und 6 wird benötigt, damit sich die 4 (ausreichend) auch erarbeitet werden muss.

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