Der Schmetterlingsflieder und die Politik

Verfasst im Mai 2021, überarbeitet im Dezember 2024

Schön sieht er doch aus, der Sommerflieder (Buddleja davidii), wenn er im Juli oder August seine Pracht entfaltet und insbesondere viele Schmetterlinge mit Duft und Nektar anlockt. Kann man sich gar nicht vorstellen, dass so etwas Schönes Anlass für heftige Auseinandersetzungen sein kann.  Unbemerkt von der großen Mehrheit gibt es solche jedoch unter Gartenfreunden und im Mittelpunkt der Streitigkeiten steht nicht selten unser schöner Schmetterlingsflieder – ganz egal ob lila oder weiß.

Was ist das Problem? Der Sommerflieder ist ein sogenannter Neophyt und verdrängt heimische Pflanzen – er ist also korrekterweise sogar ein invasiver Neophyt. Wie so viele Pflanzen wurde er als Zierpflanze irgendwann aus Fernasien nach Europa gebracht und breitet sich nun teils rasch aus.

Bei nichtheimischen Pflanzen wird schließlich auch darauf geschaut, inwiefern sie für die heimische Insektenwelt von Bedeutung ist, denn wenn sie von vielen kleinen Tierchen angeflogen wird, dann mildert dies den ökologischen Schaden zumindest ab.

Blühender Garten im Juli – ohne Sommerflieder. Dafür mit roter Spornblume (Vordergrund) – ebfalls ein Neophyt, jedoch unproblematisch.

Genau hier wird es aber teils wild, was wohl auf einen belgischen Naturschützer zurückzuführen ist, der vor einigen Jahrzehnten herausgefunden haben will, dass Schmetterlinge ihn zwar anfliegen, aber völlig betört durch dessen Inhalte die Fortpflanzung vergessen. Dies ist in der Fachwelt offenbar überhaupt nicht belegt, aber die Mythen ranken sich weiterhin um diesen Strauch. Außerdem stellt der Flieder keine Futterpflanze für die Raupen dar.

Nun gibt es – man kann es sich vorstellen – jene, die diesen Strauch verdammen und in ihrem Garten mit Stumpf und Stiel herausreißen. Dabei endet es aber nicht, sondern es werden eigentlich auch alle Mitgärtner verdammt, die es nicht tun.

Auch wir hatten lange Schmetterlingsflieder in unserem Garten – der war da auch noch länger, obwohl ich bereits klar unter die Naturgartenfreunde gegangen bin. Es ist relativ leicht das Aussamen zu unterbinden, wenn die Blütenstände nach der Blüte zurückgeschnitten werden. Das mit dem „Rausch“ der Schmetterlinge kann wohl getrost vergessen werden und wenn unter dem Flieder Brennnesseln stehen, ist auch genug Futter für Raupen da. Aber wenn es irgendwie geht, dann nicht diesen Strauch wählen. Es gibt tausende, die ebenfalls schön und dazu noch ökologisch wertvoll sind!

Tja. Da gibt es aber auch noch die andere Seite – irgendwie sowas wie die „Wir-befreien-alle-Affen-aus-dem-Zoo-Fraktion“ oder so ähnlich. Da muss ich bei den Schottergärten anfangen. Ich muss da vorweg sagen, dass es mich regelmäßig gruselt, welch morbide Kreativität da teils an den Tag gelegt wird, den eigenen Garten derart tot zu gestalten. Ich befürworte auch das Schottergartenverbot (Eigentum verpflichtet) – aber das ist eine andere Diskussion.

Es gibt einen Herrn – Ulf Soltau – der die gruselige Faszination dieser Gestaltung in einem Buch dokumentiert hat. Auf einer Facebookseite werden Beispiele aus der gesamten Republik zugesendet und dann mit humorvollem Text veröffentlicht. Dieser Seite folgte auch ich und vor einiger Zeit kam dann ein Text, in dem sich die Seite von gewissen „Naturgarten-Fundies“ distanzierte. Die Stellungnahme las sich jedoch – keine Pflanze ist illegal! – wie ein Bullshit-Bingo. Kein Rassismus im Garten! Die Pflanzen sind nun mal hier und jetzt dürfen sie auch leben! Dann das Wort Neophyt – das sei nämlich während des Nationalsozialismus entstanden (haben eigene Recherchen nicht ergeben). Es ist einfach Blödsinn:  Es gibt ähnliche Bezeichnungen auch in allen möglichen Sprachen. Zum Schluss noch der „Keinen-Millimeter-Hashtag“. Bei soviel Moralapostelei könnte man sich auch mal fragen, ob es in Ordnung ist, Vorgärten zur öffentlichen Belustigung zur Schau zu stellen. Man soll den Arsch nicht höher hängen, als man scheißen kann, würde Stromberg sagen. Nun, ich habe auch genug Schottergärten gesehen.

Auch wir haben einige nicht-einheimische Gewächse bei uns im Garten. Aus vergangener Unwissenheit. Das Problem mit diesen Pflanzen ist ja vor allem, dass die heimische Insektenwelt an heimische Pflanzen angepasst ist. Es gibt Generalisten (Honigbiene etwa), die sich über nahezu jede Nektarspendende Blüte freut. Aber die meisten Wildbienen – und das ist die große Anzahl – sind Spezialisten. Die haben nix von der Magnolie oder eben dem Sommerflieder. Der Weißdorn dagegen ernährt über 30 Vögel und unzählige Insekten. Ein Kirschlorbeer (Vorderasien) ist im Vergleich dazu schon fast steril.

Daher ist es mir immer wieder eine große Freude, die Vielfalt der heimischen Pflanzen zu entdecken. Und setzt man sie im Garten ein, kann zusätzlich noch die wunderbare Vielfalt an Insekten beobachtet werden.

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